Daniel-Verlag: „Die größte Herausforderung? Die Lesefaulheit!“
Der Daniel-Verlag hat vor wenigen Wochen einen neuen Onlineauftritt erhalten und zusätzlich ein neues Verlagsgebäude bezogen.

Herr Güntzschel, der Daniel Verlag wurde 2001 gegründet. Wie kommt man dazu, einen neuen Verlag zu gründen?
 
Klaus Güntzschel: Man liebt Bücher und empfindet, dass man einen Auftrag von Gott hat – und dann beginnt man. Ich habe bereits 10 Jahre vorher in einem christlichen Verlag gearbeitet und hatte Kontakt zu einigen deutschen Autoren, die ich sehr schätze. Des Weiteren empfand ich bei den christlichen Verlagen einen Mangel an bestimmten Büchern. Mir fehlte geistliches Schwarzbrot, klare christusorientierte und zur Bibel hinführende Bücher. Mit genau diesem Ziel habe ich die Arbeit 2001 begonnen.

Wie sieht Ihr Verlagsprogramm aus? Wo liegen die Schwerpunkte?
 
Klaus Güntzschel: Unser Verlagsprogramm reicht von einer Reihe von Bibelkommentaren für junge Leute über eine Kinderbibel bis hin zu CREATIO, einem inzwischen recht bekannten Buch zum Thema Schöpfungslehre. Die Schwerpunkte liegen eindeutig darin, dass wir mit unseren Büchern den Leser näher zum Herrn Jesus Christus bringen möchten. Das ist jetzt keine Worthülse, sondern ein ernst gemeinter Wunsch. Wenn es uns gelingt, mit guten und hilfreichen Bibelkommentaren den Leser zu vermehrtem Bibellesen und hingegebenem Gebet zu führen, können wir uns die nächsten 20 Sachbücher zu Spezialthemen wie „Wem gehört unser Geld?“ oder „Erfüllte Sexualität“ wahrscheinlich sparen.
 
Welches Buch im letzten Jahr war der Toptitel Ihres Verlages und welcher war eher eine Enttäuschung?
 
Klaus Güntzschel: Der Toptitel des vergangenen Jahres war das Buch von Philip Nunn Die verändernde Kraft der Vergebung. Ich habe mit diesem Buch etwas erlebt, was wohl jeden Verleger glücklich machen würde. Drei Personen riefen an und berichteten, dass sie nach der Lektüre dieses Buches zu Menschen gegangen sind, mit denen sie auf Kriegsfuß standen, und sich mit ihnen versöhnt haben. Gibt es etwas Schöneres? In der Zwischenzeit wurde dieses Buch in drei weitere Sprachen übersetzt.
 
Negativ überrascht waren wir von der Akzeptanz des Buches mit dem Titel Homosexualität. Ob das daran liegt, dass das Buch zu „konservativ“ ist?

Manchen Christen sind die Preise für christliche Literatur und Medien zu hoch. Was meinen Sie dazu?
 
Klaus Güntzschel: Vergleicht man den christlichen und den säkularen Buchmarkt, dann kann ich keinen Preisunterschied feststellen. Wir bieten CREATIO, ein Fachbuch mit 224 Seiten, gebunden und durchgängig vierfarbig, für € 24,95 an. Sie werden ein vergleichbares Fachbuch im säkularen Bereich vergeblich suchen. Vielleicht geht die von Ihnen angesprochene Beschwerde auch darauf zurück, dass wir vom Volk Israel nichts gelernt haben: Wir murren eben immer noch sehr schnell.
 
Viele Verlage nutzen bereits soziale Netzwerke wie Facebook um mit Kunden in Verbindung zu treten und ihre Erzeugnisse zu vermarkten. Was sind Ihre Methoden im Marketing? Oder anders gefragt, wo sehen Sie bei sich Verbesserungspotential?
 
Klaus Güntzschel: Unsere Marketingmethoden beschränken sich momentan auf Katalog und Online-Shop. Hier sehen wir ein deutliches Verbesserungspotential. Andererseits hoffen wir, dass wir gute Bücher herausgeben, die nicht mit leicht aggressiven Werbestrategien an den Leser gebracht werden müssen.
 
Mit ceBooks.de ist der erste Online-Shop für christliche E‑Books auf dem Markt. Existieren Pläne, in Zukunft digitale Bücher anzubieten?
 
Klaus Güntzschel: Ja, es gibt bereits die ersten E‑Books unserer Publikationen. Gern nutzen wir neben unserem eigenen Online-Shop Ihre angesprochene Plattform zur Vermarktung.
 
Warum ist der Anteil deut scher Autoren in christlichen Verlagen in Deutschland prozentual gesehen doch recht gering? Liegt es daran, dass Amerikaner und Engländer einfach besser schreiben?
 
Klaus Güntzschel: Auf die erste Frage habe ich schon lange gewartet. Die zweite kann man getrost mit NEIN beantworten. Als ich das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse war, kam am ersten Vormittag eine gewisse Unruhe unter den deutschen Verlegern auf. Auf meine Frage, wo sie jetzt alle hingingen, antwortete man mir, dass sie sich Termine für Lizenzverhandlungen bei den Amerikanern holen würden. Meine nächste Frage war dann: „Wann kommen eigentlich die Amerikaner und zeigen ihr Interesse für die deutschen Neuerscheinungen?“ Die Antwort war ein müdes Lächeln.
Kurz: Ich wünsche mir, dass wir, was den christlichen Buchmarkt angeht, nicht so sklavisch an Übersee hängen. Wir haben exzellente deutsche Autoren, wenn ich nur an Benedikt Peters, Alexander vom Stein oder Wolfgang Bühne denke. Sie bringen Dinge in 20 Seiten auf den Punkt, wo der durchschnittliche amerikanische Autor 200 Seiten benötigt.
 
Welche Herausforderungen beschäftigen Sie als Verlag zur Zeit besonders stark?
 
Klaus Güntzschel: Die Lesefaulheit. Wie können wir die durch die Medien zugedröhnten und zugemüllten Jugendlichen dazu bringen, sich eine Stunde am Tag Zeit zu nehmen, um ihre Bibel und ein gutes Buch zu lesen? Fehlt ihnen vielleicht das Vorbild der „mittelalterlichen“ Generation?
 
Was meinen Sie, wie es auf dem christlichen Buchmarkt in zehn Jahren aussehen wird?
 
Klaus Güntzschel: Ich hoffe, dass ich mir diesen Markt dann vom Himmel aus ansehen kann, dass also der Herr gekommen ist, um seine Gemeinde zu entrücken. Sollte ich dann aber noch leben, fürchte ich, dass Herr Max Lucado mir in seinem hundertsten Buch noch klarzumachen versucht, wie wertvoll ich bin, und dass immer weniger Verleger davon überzeugt sind, wie wertvoll der Herr Jesus Christus ist.
 
Welches Projekt steht bei Ihnen als nächstes an?
 
Klaus Güntzschel: Vor zwei Jahren hat ein Amerikaner ein Buch veröffentlicht One thing you can̕t do in heaven – meinen Worten zum Trotz: Es ist gut, sogar sehr gut, und wir möchten es mit Gottes Hilfe in diesem Jahr herausgeben und unsere Leser daran erinnern, dass es eine Sache gibt, die sie im Himmel nicht mehr tun können.
Vielen Dank.


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